
Stell dir vor, du stehst auf einer Welt aus gefrorenem Methan. Unter deinen Füßen knirscht rötlicher Schnee, der seit Milliarden Jahren kein Sonnenlicht mehr gespürt hat, das warm genug wäre, um irgendetwas zu schmelzen. Du blickst zum Himmel. Die Sonne? Sie ist dort, ja. Aber sie ist nur ein Stern unter vielen. Heller als die anderen, gewiss, aber nicht mehr als ein stechend weißer Punkt, der kaum Wärme spendet. Minus 261 Grad Celsius zeigt dein Thermometer. Kälter als der kälteste Winter auf dem Pluto. Kälter als die Oberfläche von Neptuns Mond Triton.
Du stehst auf Sedna.
Benannt nach der Inuit-Göttin des Meeres, die der Legende nach in den eisigen Tiefen des Arktischen Ozeans lebt, ist Sedna einer der einsamsten Orte im bekannten Universum. Von hier braucht ein Funksignal zur Erde mehr als elf Stunden. Selbst Neptun, der fernste bekannte Planet unseres Sonnensystems, wäre von hier aus gesehen ein naher Nachbar.
Und doch ist Sedna womöglich das wichtigste Stück Eis, das Astronomen je entdeckt haben.



